Ich hatte es ja nicht für möglich gehalten, aber das BonFIRE-Meeting war am ersten Tag dann doch so pünktlich fertig, dass ich mit einem flotten Fußmarsch zum Bahnhof Edinburgh Waverley den letztmöglichen Zug nach Cowdenbeath nehmen konnte – auf Nahrungsaufnahme musste ich allerdings aus Sicherheitsgründen verzichten, wobei sich im Nachhinein rausstellte, dass ich eigentlich genug Zeit gehabt hätte, nochmal beim Tesco Express vorbei zu schauen – well, better safe than sorry (s-th-s ist ausgesprochen ein ausgesprochener Zungenbrecher).

Für 6,50 Pfund für das Off-Peak Return Ticket ging’s also von Edinburgh nach Cowdenbeath. Die Zugfahrt ist reichlich unspektakulär, Highlights sind das Rugby-Stadion Murrayfield und, wirklich sehr beeindruckend, die Forth Bridge, die Brücke über den Firth of Forth, die Mündung des Forth Rivers. Danach geht’s unspektakulär weiter, einzig mir bekannter Ort auf der Strecke war Dunfermline und nach 40 Minuten war ich dann in Cowdenbeath. Von der Bahn konnte man schon das Stadion sehen, im Wesentlichen muss man in Fahrtrichtung zurück laufen, die erste Querstraße rechts nehmen, unter der Bahn durch und schon ist man am Ground. Es war etwas unübersichtlich, was jetzt Haupttribüne, was Gegengerade und was Gästefans war, also bin ich um’s Stadion rum und nahm mir einen Kurvenstehplatz – 15 Pfund für einen Stehplatz in der zweiten Liga ist schon nicht sonderlich günstig, als Student kam ich immerhin für 8 Pfund rein – Ticket gab’s aber weder für 15 noch für 8 Pfund, schade, cash gates halt. Mir war nicht ganz klar, ob ich mich nur in der Kurve aufhalten durfte oder ob ich auch auf die Haupttribüne gedurft hätte, war aber eh halb so wild, auf der Haupttribüne wäre es vielleicht etwas wärmer gewesen, so war’s schon arg schattig.

Der Central Park dürfte der abgefahrenste Ground sein, den ich bisher besucht habe. Das liegt schon mal daran, dass es nicht eine sondern zwei Haupttribünen gibt, die direkt aneinander anschließen, aber in unterschiedlichem Baustil gehalten sind. Ansonsten ist der Ground erst mal relativ unspektakulär – umlaufende unüberdachte Stehplatztribüne, wenn man von der Haupttribüne absieht. Highlight ist, dass der Ground nicht über eine Laufbahn sondern eine Rennbahn verfügt, denn dort werden auch Stock Car-Rennen ausgetragen – die umlaufende Bahn ist also asphaltiert und in den Kurven liegen Traktorreifen als Prallschutz, zusätzlich ist der Ground von einem relativ engmaschigen Zaun umgeben, wohl um fliegende Trümmerteile aufzuhalten – der Sicht nicht zuträglich, aber auf jeden Fall sehr interessant.

Von den insgesamt 800 Zuschauern – wohlgemerkt, zweite Liga! – waren, wie ich vermute, mehr als die Hälfte aus Falkirk, die Gegengerade, auf der die Gästefans untergebracht waren, war auf jeden Fall gut gefüllt. Stimmung wollte aber nicht so wirklich aufkommen, was am eher lauen Spiel lag. Das Niveau war ziemlich niedrig, selten habe ich so viele Abschläge und überhaupt Bälle ins Aus gehen sehen, gepaart mit einer unglaublichen Fehlpassquote. Die erste Hälfte war trotzdem noch okay, Falkirk war am Anfang leicht überlegen, Aufsteiger Cowdenbeath erarbeitete sich aber im Verlauf der ersten Halbzeit immer bessere Chancen. Die erste Ecke in der 36. Minute und insgesamt nur zwei Eckbälle zeugen allerdings nicht gerade von einem Offensivfeuerwerk. Die zweite Halbzeit war dann allerdings deutlich schwächer als die erste, denn Cowdenbeath brachte offensiv quasi gar nichts mehr zustande. Falkirk hatte mit einem Freistoß an den Pfosten zu Beginn der Halbzeit schon gezeigt, dass es auf einen dreifachen Punktgewinn aus war, auch in der Folge erspielten sich Gäste einige gute Chancen, ohne allerdings wirklich zwingend zu sein. Kurz vor Schluss hätte Cowdenbeath den Spielverlauf noch auf den Kopf stellen können und das 1:0 erzielen können, schlussendlich ging’s aber torlos aus – für Falkirk bitter, für Cowdenbeath durchaus glücklich.

Nach dem Spiel hatte ich eine gute dreiviertel Stunde totzuschlagen, bevor der Zug zurück nach Edinburgh fuhr. Ich ging erst mal zurück auf die Hauptstraße und zurück Richtung Edinburgh, da gab’s aber quasi gar nix. In die andere Richtung sah es dann nur bedingt besser aus, aber immerhin gab’s am nördlichen Ende der Hauptstraße noch einen Supermarkt in dem ich mir zwei Dosen Cider und ein paar Chips kaufen konnte. Im einzig halbwegs attraktiven Fast Food-Laden wichtelte ich mir dann eine noch überraschend leckere Pizza und plauschte kurz mit dem palästinensischen Inhaber, bevor es dann auch Zeit war, zum Bahnhof zu watscheln. Der Zug zurück fuhr dann ungefähr 50 Minuten, aber da die Edinburgher Innenstadt relativ klein und das Novotel nicht weit vom Bahnhof entfernt ist, war ich dann noch vor halb zwölf zurück im Hotel. Länderpunkt Schottland – mein zwanzigster insgesamt – also erledigt, auch wenn das interessantere Spiel – Pokalviertelfinale Motherwell – Dundee – am Mittwoch ohne mich stattfinden musste, das war auch zeitlich nicht hinzukriegen – hätte allerdings nur 10 Pfund gekostet. ;)