Dank Claus ging es dieses Jahr auf einen frühdezemberlichen Urlaub in die Vereinigten Arabischen Emirate mit dem Hauptziel, das höchste Gebäude der Welt zu besuchen, den Burj Khalifa. Die Reise war schon recht lange geplant und ich hatte natürlich damals auch geschaut, ob sich etwas in Sachen Fußball ergibt, aber nach der erfreulichen Erkenntnis, dass Ra’s al-Chaima, was sowohl der Name des Emirates als auch der Stadt ist, an deren Rand sich unser Hotel befand, über einen Fußballverein verfügt, der in der ersten Liga spielt, musste ich zur Kenntnis nehmen, dass am Wochenende unseres Besuchs, dem zweiten Wochenende im Dezember, der ortsansässige Emirates Club auswärts antreten musste. Ich weiß gar nicht warum ich dann kurz vorher noch mal nachgeschaut habe, wahrscheinlich in der Hoffnung, dass vielleicht umterminiert wurde, auf irgendeiner Webseite wurde mir das am Spiel das am Freitag (dem örtlichen Sonntag), 11. Dezember 2015, stattfindende Spiel dann als Heimspiel ausgewiesen – entweder hat sich also wirklich der Spielplan geändert oder ich hatte zum Glück eine Seite gefunden, die Paarungen in der mir bekannten Schreibweise „Heimteam – Auswärtsteam“ aufführt, denn in der Tat scheint es dort die Gepflogenheit zu sein, dass zuerst das Auswärtsteam genannt wird, was man auch auf der Eintrittskarte sehen kann. Nach meinen Erlebnissen seinerzeit in Ägypten, als man alle Zuschauer, mich eingeschlossen, kurz vor Anpfiff des Stadions verwies, galt auch hier die Devise „dass das klappt glaub ich erst wenn ich im Stadion bin und das Spiel sehe“.

Nach einer langen Anreise – Aschaffenburg → Dortmund → München → Dubai → Ra’s al-Chaima – Dienstag auf Mittwoch gab es am Donnerstag nochmal einen Strandtag obendrauf, ehe am Freitag, Claus Geburtstag, das Abenteuer Fußballspiel anstand. Der Anpfiff war für 16:40 angesetzt, also schnappten wir uns gegen 16:00 ein Taxi am Hotel und ließen uns zum Stadion fahren, das Stadion ist zwar in laufbarer Entfernung, allerdings gibt es zum Teil keinerlei Wege oder nur einen schmalen Fußweg an einer 10-streifigen Straße entlang, nicht so schön. Mit 30 Dirham (um die 7 Euro) war die Taxifahrt für zwei dann auch erschwinglich und wir standen am Stadion, über das die englische Wikipedia immerhin genau folgendes wusste:

Emirates Club Stadium is a multi-use stadium located in Ras al-Khaimah, United Arab Emirates. It is currently used mostly for football matches and is the home ground of Emirates Club. The stadium holds near 3,000 people.

Der erste Schritt war also getan, es war auch schon minimal Betrieb, also vor der obligatorischen Stadionrunde erst mal an den Kartenschalter, an den sich ein halbwegs sinnvoller Dialog, natürlich in Englisch, zwischen dem Kartenverkäufer und mir entspannt, in dem er erst mal wissen wollte, für welches Team wir wären, dann ob wir VIP oder normal wären und uns schließlich einfach zwei Karten in die Hand drückte, ohne Geld dafür zu wollen. Okay, die hätten nur 10 Dirham gekostet, also ungefähr 2,50 Euro, aber trotzdem nett. :D

Die Tickets schon mal klar gemacht, Emirates Club Stadium, Emirates Club - Al-Shabab

Mit Eintrittskarte in der Hand ging es dann zumindest halb ums Stadion, weiter außen rum wäre mit eher langen Wegen verbunden gewesen, dann gab es einen Aufreger am nordwestlichen Eingang, wenn ich das richtig verstanden habe wollte man uns da aber nur sagen, dass wir dort eben nicht rein können, sondern am anderen Eingang auf der Gegengeraden, ich weiß allerdings nicht ob uns der Kartenverkäufer hier nicht auch einfach noch zwei Tickets in die Hand gedrückt hätte, wenn wir gewollt hätten. ;) Bevor es rein ging dann schnell noch mal aufs Klo, sowohl Toiletten als auch Snack-Stände befinden sich nämlich nicht in oder unter den Tribünen sondern vor dem Einlass, sinnig. Am Eingang dann noch kurz mit dem durchaus vorhandenen Militär rumgezackert, Ergebnis war, dass wir wegen des Vize-Chefs die Sonnencreme draußen lassen mussten, dem Chef war es anscheinend egal, so wie er dasaß, aber so war es auch okay, also nix wie rauf auf die Tribüne.

Haupteingang, Emirates Club Stadium, Emirates Club - Al-Shabab

Hintertortribüne von außen, Emirates Club Stadium, Emirates Club - Al-Shabab

Gegentribüne von außen, Emirates Club Stadium, Emirates Club - Al-Shabab

Das Stadion, dass den einfallsreichen Namen Emirates Club Stadium trägt, kann sich durchaus sehen lassen, auch wenn es natürlich mit europäischen Stadien nur bedingt vergleichbar ist. Die Zuschauerkapazität ist nicht ganz klar, Angaben reichen von 3.000 bis über 7.000 Plätzen, ich denke wenn nicht Stehplätze verkauft werden stimmt eher die niedrigere Zahl, das Stadion verfügt nämlich nur über drei Tribünen: eine überdachte Haupttribüne, die nicht über die ganze Längsseite geht und die von zwei kleineren Gebäuden flankiert wird, eine nicht überdachte Gegentribüne und eine ebenso nicht überdachte Hintertortribüne mit nicht Anzeigetafel außer Betrieb in östlicher Richtung, also Richtung Straße. Die Sitze sind in den Landesfarben weiß, grün, rot, schwarz gestaltet, daneben gibt es acht Flutlichtmasten, eine funktionierende Anzeigetafel in der nordwestlichen Ecke sowie über der Gegentribüne einige „Scheich-Bilder“, entweder verdiente Vereinspersönlichkeiten oder Größen des Emirates beziehungsweise der Vereinigen Arabischen Emirate – man sieht, ich habe absolut keine Ahnung. Ganz stimmungsvoll sind auch die vielen Fahnen, die sich hinter Gegen- und Hintertortribüne erheben. Ansonsten ist noch bemerkenswert, dass der Rasen deutlich größer ist als das Spielfeld, auf der Seite Richtung Gegentribüne wird das Spielfeld deshalb noch durch eine Bande begrenzt. Die Sorge, dass wir unsere Sonnencreme auf das Spielfeld werfen hätten können war also gänzlich unbegründet. ;) Im Stadion wurden anscheinend auch schon Spiele der AFC Champions League ausgetragen, für die sich der Emirates Club als Pokalsieger qualifizieren konnte, die Zuschauerzahl lag da angeblich bei um die 5.000, wie viele Zuschauer bei unserem Spiel waren, weiß ich nicht, ich vermute mal irgendwas zwischen 500 und 1000 Zuschauern, die Gegentribüne war ganz jedenfalls gut gefüllt und bis auf uns und einen anderen Zuschauer, der wohl wie schon mal in Alzenau gesehen für einen Sportwettenanbieter da war, waren es wohl ausnahmslos Einheimische.

Stadionpanorama I, Emirates Club Stadium, Emirates Club - Al-Shabab

Stadionpanorama II, Emirates Club Stadium, Emirates Club - Al-Shabab

Stadionpanorama III, Emirates Club Stadium, Emirates Club - Al-Shabab

Stadionpanorama IV, Emirates Club Stadium, Emirates Club - Al-Shabab

Scheichb-Bilder, Emirates Club Stadium, Emirates Club - Al-Shabab

Claus auf der Gegentribüne, Emirates Club Stadium, Emirates Club - Al-Shabab

Das Spiel ist recht schnell zusammengefasst: Anpfiff, kurzes Geplänkel, 0:1 Al-Shabab. Wiederanpfiff, langer Ball auf den gleichen Spieler, schöner Schuss, 0:2 nach fünf Minuten, der Doppeltorschütze kann schon kicken. Ansonsten war wenig aufregendes geboten, in der Nachspielzeit gab es noch eine Rote Karte, ansonsten wäre es ohne die zwei Tore ganz schön grottig gewesen, mit Toren sieht das ja immer anders aus. Die komische Anstoßszeit, 16:40 Ortszeit, erklärte sich dann übrigens so, dass das Abendgebet dann in die Halbzeitpause fiel, neben Toilettenhäuschen gibt es vor dem Stadion nämlich auch ein Gebetshaus, das in der Pause recht eifrig, aber bei weite nicht von allen Zuschauern besucht wurde. Daneben gab es auch kostenloses, in Plastik abgepacktes Wasser am Eingang, laut Claus, der draußen war und zwei Wasser mitbrachte sind die Araber dem Schwaben wohl nicht so fern, denn einer der Zuschauer packte gleich mal eine Steige in den Kofferraum. ;)

Nach dem Spiel also alles gut, Spiel fand statt und wir waren dabei, dann auch noch für lau, die Sonnencreme gab es auch zurück, schöner kann ein Geburtstag doch kaum laufen. ;) Zum guten Glück erwischten wir auch recht schnell ein Taxi zurück ins Hotel, da der Taxifahrer auf dem Rückweg nicht noch einen 10 km-Schlenker über die Autobahn fahren muss, weil er vom Hotel aus nicht wenden kann, war es auch noch einen Tacken günstiger als hinwärts. Und im Hotel dann gleich zum Abendessen-Büffet, sweet. :D

P.S.: Total gut dass ich endlich mal beim Eintragen des Grounds in der Groundhopping-Datenbank die erste Option beim Eintippen von „United“ wählen kann – normal will ich ja eigentlich immer zu „United Kingdom“ und lande aber logischerweise zuerst bei „United Arabian Emirates“. ;)

P.P.S.: Achso, Support: Gästefans zumindest akustisch nicht auffällig, vermutlich war der Teil Richtung nicht ausgebaute Kurve auf der Gegentribüne für Gästefans reserviert und dann auch einige da. Heimfans mit einem in der ersten Halbzeit lautstarken, dafür sehr eintönigen Support, hätten aber auch Gebetgesänge sein können, ich kann ja kein Arabisch. ;) In der zweiten Halbzeit dann von beiden Seiten nichts mehr los.

Bilder

Mannschaften, Emirates Club Stadium, Emirates Club - Al-Shabab

Doppel-Huddle, Emirates Club Stadium, Emirates Club - Al-Shabab

Anpfiff, Emirates Club Stadium, Emirates Club - Al-Shabab

Und schon das 0:1, Emirates Club Stadium, Emirates Club - Al-Shabab

Torszene, Emirates Club Stadium, Emirates Club - Al-Shabab

Abendstadionpanorama I, Emirates Club Stadium, Emirates Club - Al-Shabab

Abendstadionpanorama II, Emirates Club Stadium, Emirates Club - Al-Shabab

Abendstadionpanorama III, Emirates Club Stadium, Emirates Club - Al-Shabab

Abendstadionpanorama IV, Emirates Club Stadium, Emirates Club - Al-Shabab

Endstand, Emirates Club Stadium, Emirates Club - Al-Shabab

Mit den Sonnenblumenkernen sieht das immer aus wie Sau, Emirates Club Stadium, Emirates Club - Al-Shabab