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Privates Blog von Roland Kübert

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46. New York City Marathon 2015 oder die unglaubliche Leichtigkeit des Marathonlaufs

Nach fünf Jahren stand dieses Jahr also der zweite Marathon in meinem Leben auf dem Programm und es sollte schon etwas besonderes sein, so einen Puff-Lauf – sorry, Mainz – wie beim Gutenberg-Marathon wollte ich nicht nochmal machen: Staffel-Halbmarathon, Halbmarathon und Marathon auf der gleichen Strecke und mit gleichem Start, nach Kilometer 21,0975 dann quasi völlige Leere auf der Strecke, nein danke. Nach einigem Suchen ergab sich von den großen Läufen überhaupt nur der New York City-Marathon als Kandidat, bei den anderen war die Bewerbungsfrist schon abgelaufen. Also, Bewerbung raus und trotz einer Chance von um die 10 % hatte ich „Glück“ – einerseits natürlich wirklich Glück, denn von diesem Lauf träumen viele Läufer, andererseits hieß das natürlich, dass ich auch wieder Marathon trainieren musste, yay.

Der Trainingsplan – ich richtete mich nach dem gleichen 3:29h-Plan wie vor 5 Jahren – umfasst ja 10 Wochen, ich hatte recht großzügig vorher angefangen, um auch die Abwesenheiten im August, Nicht-Ararat-Urlaub und Frankreich-Urlaub Nr. 2, ausgleichen zu können. Im Prinzip lief alles gut, auch die langen Läufe, wobei ich da am Anfang wohl etwas zu viel Tempo gemacht habe, bei den späteren Läufen habe ich mich da, dem Trainingsplan und auch den Empfehlungen meines Seignosse-Zelt-Nachbarn folgend, etwas zurück genommen. Irgendwann war dann auch mal alles gebucht, Nonstop-Flüge von Frankfurt nach New York City und ein Appartment in Brooklyn via AirBnb, eine unangenehme Überraschung gab es dann beim letzten Tempo-Trainingslauf, als ich mir wohl irgendwie den Fuß verdreht hatte, Ergebnis war dass ich ab dem 21. Oktober das Laufen einstellte und ein bisschen Kleinkram und den letzten 24 km-Lauf sein lassen musste, die USA-Reise fand natürlich sowieso statt, was die Verletzung für den Marathon bedeuten würde konnte ich dann nur kurzfristig vor Ort entscheiden.

T-2

Am Donnerstag vor dem sonntäglichen Marathon ging es dann also nach New York City, den üblichen Alptraum, wegen verpeilter Planung den Start zu verpassen, den ich auch vor anderen Läufen schon hatte, hatte ich da schon hinter mir. ;) Am Freitag stand ein Sightseeing-Tag inklusive One World Observatory an, inklusive Abholung der Startunterlagen im Javits Convention Centre. Meine Güte, da ging es vielleicht zu… gut, bei fast 50.000 Läufern auch kein Wunder, wobei die eigentliche Abholung der Startunterlagen, inklusive dem Beutel, den man am Start abgeben kann und der dann zum Ziel transportiert wird, eigentlich schmerzfrei war, in der „Shopping Area“ danach gab es Schlangen wie wohl früher in der DDR, wobei das Asics-Gelump auch mit Rabatten noch so teuer ist, dass ich alleine schon vom Preis her nichts gekauft hätte, dafür dann noch ewig anzustehen, nein danke. Von wegen Bag Check, also Tasche abgeben und im Ziel bekommen, auch das kann man online wählen, wobei ich das so spät gemerkt habe, dass es eh nur diese Option gab, die andere Option, sich im Ziel einen Poncho geben zu lassen und dann direkt wieder aus dem Central Park raus zu gehen, war schon ausgebucht, ich würde aber auch nächstes Mal wieder so wählen, denn so kann man noch ein paar Klamotten für danach oder einpacken und diese dann im Zielbereich abholen, dass das unmäßig länger dauerte als die Poncho-Option kann ich zumindest auch nicht bestätigen. Nachdem die Startunterlagen abgeholt waren druckte ich mir noch ein Paceband für eine 3:45h-Zielzeit aus, auch so eine große Unsicherheit, was man eigentlich anpeilen soll, die 3:45h schien mir aber plausibel, auch wenn Trainingsplan und Pace-Rechner mir deutlich schnellere Zielzeiten anzeigten – es gibt ja auch immer noch weitere Marathonläufe, auf denen man sich weiter nach unten tasten kann. Danach ging es noch auf ein bisschen Sightseeing, inklusive kostenfreiem Abstecher ins MOMA, dann fußläufig über die Brooklyn Bridge und von Brooklyn aus mit der Metro zurück zur Unterkunft.

It is indeed a big race :)

It is indeed a big race :)

T-1

Am Samstag früh, dank Zeitverschiebung schmerzfrei um fünf Uhr oder so aus dem Bett gefallen, gab es dann die Generalprobe für den immer noch maladen Fuß, zum Glück hielt er aber eine kurze Runde durch Brooklyn schmerzfrei aus, so dass der Überprüfung der Anreiseoption nach Staten Island für den Sonntag Morgen nichts im Weg stand. In der Tat ist es beim NYC-Marathon so, dass man auch hier die Wahl für einen offiziellen Transport hat, entweder per Bus aus Manhattan oder mit der Staten Island Ferry, allerdings war ich mal wieder so spät dran, dass ich nur Busse oder Fähre gegen 05:00 hätte wählen können, also verzichtete ich lieber darauf, nachdem ich gelesen hatte, dass man sowieso jede Fähre nutzen kann, einzige Unsicherheit war dann, ob mich der Shuttlebus auf Staten Island auch mit zum Startpunkt nimmt, der sich ein paar Kilometer von der Fähre entfernt auf der ehemaligen Militärbasis Fort Wadsworth befindet. Wie gesagt gab es am Samstag also die gleiche Route, die ich mir dann für den Sonntag vornahm, mit der Metro von Brooklyn aus bis Bowling Green, dann Fußmarsch zur Staten Island Ferry, übersetzen nach Staten Island und vor Ort mal umschauen. Die immer kostenfreie (!) Fähre ist sowieso eine Reise wert, bei herrlichem Wetter, wenn auch morgens noch recht frisch, hatten wir eine tolle Aussicht auf Downtown Manhattan, Ellis Island, die Freiheitsstatue und auch die beeindruckende Verrazano-Narrows Bridge, die man direkt nach dem Start auf Staten Island überquert und die mit einer Länge von knapp über 2 Kilometern (1,3 km Spannweite zwischen den Pylonen) immer noch die elftlängste Hängebrücke der Welt und die längste in Amerika ist! Auf Staten Island war dann leider nichts ausgeschildert, aber das sollte dann wohl am Sonntag anders sein, also ging es noch einen Cache holen und dann erst mal wieder nach Hause, wobei wir dort auch erst am Nachmittag aufschlugen, Mama K. war danach immerhin im Bilde, wo sie sich am einfachsten von der Wohnung ausgehend an der Strecke platzieren konnte. Nach langem hin und her ging es dann abends auch noch weiter auf Long Island zum Fußball, Länderpunkt USA in the bag, die Rückkunft in die Wohnung gegen 22:30 war ausreichend für das geplante Aufstehen um 05:00 und nach einem kleinen Nudelimbiss ging es in die Heia, nicht ohne die große Verwirrung, denn der Wecker meinte, als ich ihn gegen 23:00 auf 05:00 Weckzeit stellte, partout „klingelt in 7 Stunden“.

T-0 – die Odyssee bis zum Start

Was den Wecker geritten hatte klärte sich dann auf, als ich gegen 04:00 Ortszeit mal aufs Klo musste, denn die 04:00 Orstzeit auf der Armbanduhr waren auf ein mal 03:00 auf dem Handy, what the fuck? Kurz gegoogelt, aha, Sommerzeit in den USA endet am ersten Sonntag im November und nicht wie in Deutschland am letzten Sonntag im Oktober, gotcha, also nochmal zwei Stunden pennen, alles gut. Um kurz vor 05:00 war ich dann sowieso wach, das Zeug war schon gepackt, noch einen Bagel für den Weg geschmiert und dann machte ich mich auf den Weg zur nächsten Metro-Haltestelle, Nostrand Avenue. Ich hatte noch Glück und einen relativ frühen Start-Slot um 10:30 erwischt, trotzdem war ich also fünfeinhalb Stunden vor Start schon auf dem Weg, da kann man ja auch zum München-Marathon bequem noch aus Aschaffenburg losfahren… das liegt aber weniger daran, dass man die viele Zeit wirklich braucht, sondern dass es später an der Fähre und den Shuttle-Bussen einfach unglaublich voll wird – da sitze ich doch lieber eine Stunde länger in Fort Wadsworth als dass ich eine Stunde im Fähr-Terminal stehe… Beim Dunkin‘ Donuts direkt an der Metro zog ich mir noch einen Kaffe für den Weg mit dem für den Tag passenden schönen Motto „America runs on Dunkin'“ auf dem Becher, dann ging es wie am Vortag schon via Bowling Green zur Fähre. Ich erwischte die erste Fähre, bekam sogar einen Sitzplatz und nach einem Abstecher zu den Dixies vor dem Fährterminal auf Staten Island ging es zum Bus, der auch bestimmt nochmal zwanzig Minuten fährt, die Angst, dass ich nicht in den Bus gelassen würde, war unbegründet, dort fanden keinerlei Kontrollen der Startnummer statt, aber man weiß ja nie wenn man es nicht mal selbst erlebt hat. ;)

Wegkaffee für den Weg zur Fähre - das Dunkin' Donuts-Motto passte einfach zu gut

Wegkaffee für den Weg zur Fähre – das Dunkin‘ Donuts-Motto passte einfach zu gut

Im Fährterminal - gut gefüllt, aber es reichte bequem für die erste Fähre

Im Fährterminal – gut gefüllt, aber es reichte bequem für die erste Fähre

Auf dem Weg nach Staten Island

Auf dem Weg nach Staten Island

Bus-Shuttle nach Fort Wadsworth

Bus-Shuttle nach Fort Wadsworth

In Fort Wadsworth gab es erst mal eine Taschenkontrolle, im Fährterminal waren übrigens Sprengstoffhunde im Einsatz, dann hatte ich genug Zeit, ein paar unspektakuläre Fotos zu machen, mein Zeug großzügig umzupacken und dann die Tasche abzugeben. Ich hatte mir extra eine günstige Jogginghose und einen Pulli für wenig Geld gekauft, um nichts teures „wegwerfen“ zu müssen, die gesammelten Dinge werden aber an Obdachlose weitergeben, ist doch auch eine schöne Sache. Ich war mir vor der Taschenabgabe aber unsicher, ob ich Langarm oder Kurzarm zum Laufen nehmen sollte, beim Rumstehen war es doch etwas kühl, aber am Ende entschied ich mich für oben/unten Kurz/Kurz unter den Klamotten, die ich bis zum Start anbehielt.

Ankunft in Fort Wadsworth mit oberflächlicher Taschenkontrolle

Ankunft in Fort Wadsworth mit oberflächlicher Taschenkontrolle

Welcome to Fort Wadsworth

Welcome to Fort Wadsworth

Orientierung in Fort Wadsworth

Orientierung in Fort Wadsworth

Die Start Timeline - kaum kompliziert

Die Start Timeline – kaum kompliziert

An den Bag Check-UPS-Wägen

An den Bag Check-UPS-Wägen

Looms large in the background: die Verrazano-Narrows Bridge

Looms large in the background: die Verrazano-Narrows Bridge

Man kann über den Lauf sagen was man will, von wegen Wahlmöglichkeiten und Komplexität der Anreise, aber die Organisation ist wirklich 1A. Vor Ort in Fort Wadsworth war die Verpflegung wirklich super, es gab diverse Stände mit Tee, Kaffee, Iso-Getränken, Bagels, Energie-Gel etc., man muss sich fast schon mäßigen, wobei der Marathon ja durchaus eine energielastige Veranstaltung ist. Ich holte mir einen Bagel, den ich glaube ich halb aufgegessen habe, dazu zwei Mal Tee und ein Gatorade-Gel für kurz vor dem Start, auch Powerbar-Kram hätte es noch gegeben, das alles umsonst, über 300 $ Startgebühr hin oder her, das ist schon deluxe. Am Ende hatte ich jedenfalls genug getrunken und noch den Bagel in der Hinterhand und machte mich auf den Weg zu meinem „Corral“, das sind die einzelnen Teile der Startwelle, also Startblocks, mit meinem 10:30-Start war ich in der zweiten Welle, wobei ich nicht weiß ob man als Nicht-Profi und Nicht-New-Yorker überhaupt in die erste Welle kommen kann. Ich fand einen ganz netten Platz an meinem Baum und die von Mama K. nach dem Flug eingepackte Delta Airlines-Decke leistete mir neben meinen Wegwerfklamotten gute Dienste, ein freundlicher Mit-Baum-Sitzer nötigte mir dann noch zwei Wärempacks für die Hände auf, die ich angeblich auf der Brücke gut gebrauchen könne, die aber, wie ich mir schon dachte, überflüssig waren, aber trotzdem eine nette Geste. Ich weiß gar nicht wie lange ich saß, insgesamt sicher über eine Stunde, danach wurde irgendwann um ich glaube kurz vor 10:00 der Corral aufgemacht und ich konnte nochmal aufs Klo, mich kurz dehnen, nochmal aufs Klo und dann zumindest mal die Hose abwerfen, den Pulli behielt ich lieber erst mal an. Irgendwann setzte sich der Corral dann in Bewegung Richtung Startlinie, vorbei an vielen Reisebussen und zum Fuß der Brücke.

Step 1: you start running. There is no step 2

[youtube WbHnYgv9FRA]
So ungefähr sah das aus, wobei hier der Start der ersten Welle ist – beim dem Punkt, als New York, New York anlief, musste ich mir gerade fast ein Tränchen verdrücken :)

Los ging es zu Frank Sinatra und den Klängen von New York, New York, mein Plan war wie gesagt die 3:45h, mit einer etwas langsameren ersten Hälfte, von der Verpflegung her hatte ich mich auf ein Gel alle 5 Meilen eingestellt, um auch ja dem Hungerast zu entgehen, feste Nahrung, das hatte ich im Training gemerkt, taugt mir irgendwie beim Laufen nicht mehr. Auf den ersten zwei Kilometern über die Verrazano-Narrows Bridge ließ ich die Pace mal unbeachtet, um den Start und die Brücke ein bisschen zu genießen, außerdem verpulvern wohl viele unerfahrene Läufer einen guten Teil ihrer Energie gleich am Anfang durch viel zu schnelles loslaufen. Tolle Aussicht von der Brücke jedenfalls, selbst auf der windigen Brücke war es so warm, dass ich erst meinen Pullover und dann auch die unbenutzten Wärmepacks für die Hände entsorgte, dann ging es in Brooklyn also richtig los, bei Kilometer 4 kommt man auf die 4th Avenue und die geht es dann erst mal schnurstracks Richtung Norden, die 4th Avenue verlässt man erst bei Kilometer 13 wieder, wenn man am Barclays Center kurz auf die Flatbush Aveneue und dann rechts auf die Lafayette Avenue Richtung Osten abbiegt! Bis dahin lief erst mal alles gut, eine geile Stimmung an der Strecke, auch wenn in Brooklyn natürlich noch nicht soviel los war wie in Manhattan, Trinkpunkte jede Meile und ich bediente mich fleißig, jeweils einen Schluck vom Gatorade und einen Schluck Wasser hinterher, soweit alles prima. Abgeklatscht habe ich auch ordentlich, zumindest auf der ersten Hälfte, wahrscheinlich hab ich an dem Tag öfter ge-High Fived als bisher in meinem ganzen Leben in Summe. :D Sehr geil waren auch die diversen witzigen Schilder, wobei ich mir nicht alles merken konnte:

  • May the Course Be With You
  • If a Marathon Was Easy, It’d Be Called Your Mother
  • Touch Here for Power
  • Run Like You Stole Something
  • I’m Sure It Seemed Like a Good Idea Four Months Ago
  • Toenails Are For Sissies
  • On a Scale of 1 to 10 You Are 26.2
  • All That for a Free Banana

Nachdem ich auf der Lafayette Avenue war, musste auch irgendwo meine Mutter stehen, allerdings war ich mir über die exakte Position in Bezug auf die Strecke nicht klar, die Kurve links ab auf die Bedford Avenue kam dann ziemlich genau bei Kilometer 15 und in der Tat konnte ich kurz Mama K. Hallo sagen, auch wenn sie mich nicht gesehen hätte, coole Sache, die Bayern-Fahne hat doch zur Identifizierung geholfen. :D Nette Sache, wenn man jemanden an der Strecke hat, das ist schon durchaus Motivation, vor allem wenn man ungefähr weiß, wo diejenige steht, nach Kilometer 15 war es dann damit aber leider auch vorbei und die Motivation kam nur noch von der Strecke beziehungsweise den Zuschauern. Nach 4,5 weiteren Kilometern war dann auch mal das Ende der Bedford Avenue erreicht und es ging stramm auf Richtung Halbzeit, die 13.1 Meilen-Marke passierte ich bei 1:54:31, immer etwas hinter der Paceband-Zeit, dafür gut in Form und auf dem Weg zu einer schmerzfreien 3:50h, gleiches Tempo vorausgesetzt. Als Halbzeit gilt die kleine Pulaski Bridge und dann auf ein weiteres Highlight, die Queensboro Bridge, auf der Doug Heffernan laut Titellied von King of Queens immer im Stau steht. ;) Mit fast 2,5 Kilometern Länge ist sie auch ein echtes Monster, es geht auch erst mal recht steil nach oben und man hat genug Zeit, sich nochmal durch den Kopf gehen zu lassen, ob das alles eine gute Idee war. ;) Meine größte „Sorge“ zu diesem Zeitpunkt war allerdings nur, dass ich den geschickten Zeitpunkt für einen Toilettengang abpasse, denn bisher war ich durchgelaufen, ein Stop musste aber sicher sein, nur waren die bisherigen, wenigen Toiletten immer besetzt gewesen und ich wollte nicht zuviel Zeit verlieren. Irgendwo hatte ich, auf den hunderten von Webseiten, die ich vorher gelesen hatte, aber auch gelesen, dass der optimale Zeitpunkt direkt nach dem Erreichen Manhattans war, also erst mal über die Brücke, links abgebogen und wieder Richtung East River und links auf die 1st Avenue, wo sich auch direkt unter der Brücke eine ganze Menge Toiletten mit ausreichend freier Kapazität befanden – Boxenstop also perfekt getimed bei Kilometer 26,5, nach nicht mal einer Minute ging es dann also wie gesagt weiter auf die 1st Avenue.

1st Avenue ist, neben den ganzen anderen geilen Dingen, die man sieht, sicherlich eines der größeren Highlights, die Stimmung ist abgefahren geil, die Leute stehen dicht an dicht in mehreren Reihen und das über mehrere Kilometer:

[youtube zFS_mfQWjrk]
1st Avenue beim New York Marathon 2013

Eigentlich ist man, wenn man über die Queensboro Bridge kommt, schon auf der Höhe, auf der sich dann auch das Ziel im Central Park befindet, allerdings muss man die Straße bis nach Norden laufen und über die kleine aber zu diesem Zeitpunkt irgendwie gemeine Willis Avenue Bridge in die Bronx, bevor man nach 6 Kilometern wieder umdrehen darf. Entweder kurz vor der Bronx oder kurz danach, ehe es bei Kilometer 34 über die Madison Avenue Bridge auf die 5th Avenue und wieder nach Süden geht, war ich dann auch im wesentlichen mit mir selbst beschäftigt und habe nicht mehr so viel von der Stimmung und der Gegend wahrgenommen. Ist nicht so, dass ich dem Mann mit dem Hammer begegnete, aber nach gut 3:00h laufen und weiteren 8 Kilometern und damit 40 bis 45 Minuten ist dann irgendwann der Spaßfaktor doch verschwunden. ;)

Der schlimmste Punkt kommt so um Meile 23, immer noch auf der 5th Avenue, ehe man in den Central Park kommt, denn da geht es recht ordentlich und recht lange nach oben. Natürlich ist „nach oben“ relativ, denn es ist kein Berg, auch wenn es einem so vorkommt, vor allem ist der Anstieg halt einen oder anderthalb Kilometer lang.

The worst part — the worst part! — is when you get to Fifth Avenue … It just plain sucked… If you focus on the pain, you’re never going to finish it. You get so emotional, your brain just doesn’t even function anymore. You don’t even remember your name at that point.

Obwohl ich das eigentlich vorher wusste und auch morgens noch ein Gespräch mitbekommen hatte, bei dem ein erfahrener Läufer im wesentlichen diesen Punkt als problematisch ansprach, entfuhr mir dann doch irgendwann ein „fuck, it never ends“. ;) Spätestens hier war die glatte 3:45h, auf die ich mit mittlerweile von oben hin bewegte, gelaufen, obwohl ich auf der zweiten Hälfte gut Zeit aufgeholt hatte, aber der Anstieg hatte mich doch etwas Zeit und Kraft gekostet. Bei Kilometer 39 ging es dann in den Park und was sich vorher schon angedeutet hatte, wurde hier noch offensichtlicher, ich überholte unglaublich viele Läufer, die nur noch gingen, immer mit einem Auge auf der Uhr und ganz schön am Kämpfen um die Pace um die 5:00/km zu halten. Bei um die Kilometer 41 geht es dann aus dem Park wieder raus auf die Central Park South, nach rechts 800 Meter weiter bis zum Columbus Circle und dann auf das letzten 400 Meter bis ins Ziel, auch hier nochmal mit leichtem Anstieg. Irgendwo vorher war natürlich schon der Punkt gewesen wo mir klar war, dass einerseits der Fuß hält und ich es andererseits auch mit einer achtbaren Zeit ins Ziel schaffen werde, selbst wenn ab dem Zeitpunkt nichts mehr ging, am Ende bin ich es aber durchgelaufen und kam sogar mit einem Endspurt ins Ziel – geiles Gefühl und gar nicht so voll wie gedacht, Medaille umhängen lassen, Verpflegungsbeutel entgegen genommen und dann erst mal weiter scheuchen lassen, „walk on, don’t sit“, auch wenn ich in dem Moment nach dem Zieleinlauf nichts lieber getan hätte, als mich erstmal hinzulegen und vor allem aus den Schuhen rauszukommen.

Der Mühen Lohn: mit Medaille im Central Park

Der Mühen Lohn: mit Medaille im Central Park

Post Race Bag Check

Es hatte natürlich sein gutes, dass man weiter getrieben wurde, man weiß ja selbst, dass stehen bleiben oder hinsetzen beziehungsweise hinlegen nichts bringen, also bin ich einfach immer weiter getrottet, wie die meisten anderen auch, von den freiwilligen Helfern gab es noch Lob ob der vollbrachten Mühe, sehr cool. Ich hatte dann eigentlich das Schlimmste erwartet, von wegen Tasche abholen und aus dem Park rauskommen, mal wieder etwas, was ich vorher gelesen hatte, weil ich aber wohl doch recht früh im Ziel war, ging das völlig schmerzfrei. Gut, die Poncho-Leute durften schon nach circa 500 Metern, ich glaube Höhe 72. Straße, aus dem Park, während ich nach etwa anderthalb Kilometern erst meine Tasche vom UPS-Wagen entgegen nehmen konnte, dann hinderte mich aber niemand, ein paar Meter zurück zu steuern und mich auf den Weg Richtung Ausgang 81. Straße / Museum of Natural History zu machen. Vor dem Ausgang gab es aber erst mal eine lange Bankpause, Medaillen-Fotos machen, den lieben in Brooklyn und daheim Bescheid sagen dass alles gut zu Ende gegangen war, Umziehen und vor allem aus den Schuhen in die Flip-Flops – herrlich, Flip-Flop-Wetter in New York City am 01. November, da gehört natürlich auch viel Glück dazu. :D

Nach einer kleinen Verschnaufpause ging es dann also schmerzfrei aus dem Park und die Metro, auf dem Weg noch ein paar Glückwünsche entgegen nehmen – „you are aweseome“, läuft runter wie Öl. :D Auf dem Weg nach Brooklyn unterhielt ich mich dann auch noch mit ein paar New Yorkern, dann war ich doch recht zeitig wieder an der Bude, wo mich Mama K. in Empfang nahm, sogar einen Sekt gab es zur Feier des Tages nach 7 Wochen Abstinenz. :D Danach ging es erst mal in die Badewanne und später noch auf einen fußläufigen Ausflug zum Taco Bell und zurück, soll ja dem Muskelkater vorbeugen, wenn man sich danach noch ein bisschen gechillt bewegt, so kam ich wohl auf 50+km an dem Tag, hat man auch nicht so oft. Gegen den Muskelkater hat es vielleicht zum Teil geholfen, gerade das Treppe nach unten steigen war aber auch am Tag danach noch sehr unangenehm. :)

Gesundes Post-Marathon-Essen

Gesundes Post-Marathon-Essen

Zum Schluss ein kleines Fazit

Wie es so ist war ich vor dem Marathon durchaus von Zweifeln geplagt, der komische Fuß half da natürlich nicht, sonst wäre es aber auch nicht viel anders gewesen. Am Ende war es eines der tollsten Erlebnisse die ich je hatte, auch wenn ich bisher nur zwei Marathonläufe kenne gehe ich davon aus dass der New York City-Marathon einfach der geilste Lauf überhaupt ist. Sowohl was die Strecke als auch was die Zuschauer angeht 1A, Verpflegung wie gesagt auch perfekt, einzig die Anreise zum Start ist ein bisschen umständlich, aber auch ein Erlebnis. Ich würde es jederzeit wieder so machen, das Glück, überhaupt angenommen zu werden, braucht man halt auch, wenn man sich nicht über einen Reiseveranstalter einen Platz mit organisierter Reise bucht, das ist aber nichts für mich. Dass das Wetter wirklich noch perfekt war, was ich bisher gar nicht wirklich angesprochen habe, hat dann natürlich wunderbar gepasst, es war nicht zu kalt und nicht zu warm, obwohl es am Ende sonnig war, es hätte nicht besser sein können. Von der Zeit her kann ich, je nach Tagesform, sicher noch ein bisschen zulegen, aber so war es ein perfektes Rennen, ohne Hungerast und sonstige Probleme, das gibt es beim Marathon wohl auch nicht so oft – daher auch die unglaubliche Leichtigkeit des Marathonlaufs. Und wie schon nach Mainz habe ich mich auch bei den nächsten Läufen in Deutschland gefragt, wie ich diesen Scheiß-Marathon überhaupt finishen konnte… ;)

P.S.: Für die Statistik: Zielzeit 3:45:49, Platz 7.606 von ungefähr 50.000 Läufern, Platz 1.122 von 4.562 in der Altersklasse M35-39.

Zwar keine Stundenanzeige, aber doch recht hilfreich: eine einfache Stoppuhr und das Paceband

Zwar keine Stundenanzeige, aber doch recht hilfreich: eine einfache Stoppuhr und das Paceband

Der erste Kübert, der in der New York Times steht! Cutoff war übrigens bei um die 05:11h, da hätte ich auch ein bisschen Tempo rausnehmen können

Der erste Kübert, der in der New York Times steht! Cutoff war übrigens bei um die 05:11h, da hätte ich auch ein bisschen Tempo rausnehmen können

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