EM im Nachbarland Frankreich, da kann man sich dann auch mal für 1 oder 2 Spiele bewerben. Zwar habe ich natürlich nicht alle Spielorte besucht, aber mit Bordeaux, St. Etienne, Marseille, Lille und dem Pariser Prinzenpark immerhin schon die Hälfte der Stadien abgeklappert, auch wenn sich das meistens nur zufällig ergab, dediziertes Frankreich-Hopping habe ich eigentlich noch nicht betrieben. Das Problem an der Sache mit mehreren Spielen war, dass sich die Spielorte natürlich elend weit voneinander befinden, wenn man von den „Clustern“ aus jeweils zwei, oder wenn man den Begriff etwas weiter fasst maximal vier Stadien, absieht. Relativ schnell war dann die Entscheidung gefallen, sich für das Gruppenspiel der Deutschen im Stade de France zu bewerben, immerhin mal was neues und ein Stadion in das man nicht unbedingt aus Zufall kommt, weil da ja kein Ligabetrieb stattfindet. Wenn schon, denn schon, daneben kann man sich natürlich auch noch für das Finale bewerben, das selbstverständlich auch im Stade de France stattfindet, aber ein EM-Finale, das man mehr oder weniger bequem mit dem Auto anfahren kann hat man ja auch nicht alle Tage. Bewerben musste sich natürlich Claus, da ich kein Mitglied des Fanclub Nationalmannschaft bin, am Ende flatterte neben der Zusage für das Gruppenspiel gegen Polen im Stade de France auch ein Voucher für eine eventuelle Finalteilnahme der Deutschen ins Haus, ich war angenehm überrascht, sollte die Nationalmannschaft also bis ins Finale kommen, dann sind wir auf jeden Fall dabei. :D

Da die Kartenzuteilung relativ früh bekannt gegeben wurde, war das Flugzeug das Verkehrsmittel der Wahl, der günstige Preis und die bequeme Anreise ab Frankfurt direkt nach Charles de Gaulle gaben den Ausschlag gegenüber dem Auto. Als Hotel für die Nacht von Donnerstag auf Freitag hatten wir sicherheitshalber eines mit Stellplatz gebucht gehabt, schon lange bevor es Tickets gab, als alter Hase hatte ich das von letztem Jahr bekannte HotelF1 in Villeparisis gebucht. Auch ohne Auto entschieden wir uns dann, das Hotel für die eine Nacht zu nutzen und am nächsten Tag umzuziehen, die 41 € für die Nacht waren dann doch unschlagbar, weitaus schöner war aber das Hotel für die Nacht von Freitag auf Samstag, mit 61 € für zwei auch ein Schnäppchen und auch hübscher gelegen. Von CDG aus ging es dann auf der Sparroute mit dem Bus nach Villeparisis, recht abenteuerliche Fahrt, erst mal gefühlt drei Mal um den Flughafen herum, dafür spottbillig, so konnten wir es vermeiden, diesen Flughafen-S-Bahn-Zuschlag zu zahlen, ob die 1,80€-Fahrkarte aber eigentlich ausgereicht hat oder ob wir mehr hätten bezahlen müssen wird sich auch nicht mehr klären lassen, kontrolliert hat aber niemand. ;)

In Villeparisis ging es vom S-Bahnhof aus erst mal zum Leclerc und dann weiter ins Hotel, dieses Mal ging zwar der Check-In-Automat, nahm aber keine von den drei Kreditkarten, die wir zur Verfügung hatten, kurz danach angereisten Polen ging es auch nicht besser, also hieß es die Wartezeit bis zum erneuten Öffnen der „Rezeption“ um 17:00 zu überbrücken, was mit dem Vesper vom Leclerc aber leicht fiel. Ich hatte mich letztes Jahr schon über das Publikum im Hotel gewundert, dieses Jahr war es auch sehr seltsam, immerhin konnte ich mit einem der wohl zahlreich vertretenen Rumänen etwas auf französisch schnacken, eine ältere Dame wollte mir dann auch die ganze Zeit irgendwas erzählen, hörte sich eher nach Russisch an, ich hatte eigentlich zwei Worte verstanden, aber was sie außer „gut“ noch gesagt hat, habe ich mittlerweile vergessen. ;) Irgendwann, immer noch deutlich vor 17:00, tauchte auch ein halbwegs fähiger Angestellter auf, dem ich dann das Problem mit dem Check-In-Automaten erklärte, der checkte uns dann kurzerhand direkt ein, so dass wir unser Vesper im Zimmer fortsetzen konnte. Immer abenteuerlich, da wir zum eventuellen Finale auch wieder nach Villeparisis fahren sollten wir uns bemühen, zeitig vor der Mittagspause der Rezeption vor Ort zu sein, drei Mal brauche ich so ein Check-In-Abenteuer nicht.

Vom Hotel aus ging es dann fußläufig den nicht ganz kurzen Weg zum S-Bahnhof zurück, immerhin malerisch am Kanal entlang, wir hoffen wir haben nur ein paar Bieber gesehen und nicht einfach übergroße Ratten… der Fahrkartenkauf Allez-Retour zum Stade de France erwies sich dann als am Automat unmöglich, aber am Schalter völlig entspannt, exzellentes Französisch halt (ich überlege ja, ob ich immer wenn ich eigentlich „seulment“ sagen will, nicht einfach „saumon“ sagen soll ;)). Nicht viel später waren wir dann auch schon nicht mehr weit vom Stadion, machten aber erst mal einen großen Bogen um selbiges, weil es doch recht weiträumig abgesperrt war und wir noch einen Abstecher nach St. Denis machen wollten. Auf dem Weg kurz gezuckt, weil im freundlichen Eckkiosk kein Alkohol verkauft wurde, nebenan gab es aber die halbe gezapft für 6 € – kurz gezögert, aber das ist ja für Pariser Verhältnisse eh nicht teuer, zieht man noch die EM dazu in betracht ist der Preis geradezu lächerlich. ;) Dieses St. Denis ist auch ein ganz nettes Städtchen, war also ein lohnenswerter Abstecher, auch weil man von Norden kommend über den Canal de Saint-Denis einen schöneren Blick auf das Stadion hat als von Süden und der S-Bahn. Nach einer ersten, oberflächlichen Kontrolle noch kurz ein paar Fotos auf der Brücke über den Kanal gemacht und dann ab durch die eigentliche Kontrolle und rein ins Stadion.

Ist eine ganz nette Kiste, dieses Stade de France, auf Grund der weit überstehenden Dachkonstruktion von außen spektakulärer als von innen. Unsere Plätze waren im Oberrang im Norden und damit recht weit weg vom Spielfeld, dafür natürlich mit gutem Überblick, dazu gab es noch einen schönen Blick auf Sacré-Coeur im Süden. Man sieht dem Stadion schon an, dass es kein reines Fußballstadion ist, wobei es recht clever gemacht ist, dass die Tribünen des untersten Ranges verschiebbar sind, denn so reichen sie beim Fußball doch recht nah ans Spielfeld, ermöglichen aber auch die Nutzung für Leichtathletik-Veranstaltungen.

Ich muss leider sagen dass das Spiel selbst der am wenigsten interessante Teil des ganzen Ausflugs war, den ich sonst durchweg positiv sehe, trotz kleiner Hiccups wie beim Check-In im HotelF1. „Spannung und hohe Intensität bis zum Schluss entschädigten für über weite Strecken fehlende spielerische Glanzpunkte“, schreibt der Kicker in seinem Spielbericht, naja, das kann man so sehen, muss man aber nicht, ich fand das Spiel ziemlich fad, da hatte ich bei einer EM irgendwie etwas mehr Unterhaltung erwartet, insgesamt war vor allem die Vorrunde und zum Teil auch das Achtelfinale aber ja nicht gerade arm an mäßig unterhaltsamen Spielen.

Nach dem Spiel ging es relativ flott auf zur S-Bahn, wobei wir sowieso Glück hatten, da der größte Teil der Fans Richtung Stadt wollte und nicht wie wir Richtung Norden, insofern war es am Gleis relativ entspannt. Dass wir dann über 45 Minuten auf die S-Bahn warten musste war dann unfein, lag wohl an einer technischen Störung oder Personen im oder am Gleis, habe ich nicht so genau mitbekommen. Irgendwann kam dann jedenfalls auch mal eine S-Bahn Richtung Villeparisis, die dann natürlich doch dementsprechend voll war, die Fahrzeit hält sich aber ja in Grenzen. Danach noch zu Fuß durch das nächtliche Villeparisis ins Hotel und dann waren wir auch ordentlich bettschwer – gut, dass ich vergessen hatte, meinen Wecker auszustellen, so durfte Claus früh aus dem Bett springen und selbigen aus machen. :)

Am nächsten Tag war dann Paris-Sightseeing angesagt, zum Teil in Puteaux beziehungsweise La Defense als auch um den Eiffelturm herum, für den wir uns Karten geholt hatten, schade dass das ganze Champ de Mars abgesperrt war, da geht doch viel von der schönen Stimmung um den Turm herum verloren. Mit einem Abstecher zu Sacré-Coeur ließen wir dann den Tag ausklingen, ehe es noch einen Spaziergang über die Esplanade de la Defense gab. Am Samstagmorgen hatten wir noch die Möglichkeit, ein bisschen durch den Bois de Boulogne zu joggen, ehe wir uns auf den Weg Richtung Flughafen machten, nicht ohne noch einen kleinen Spaziergang am Canal de Saint-Martin entlang einzuflechten.

Insgesamt ein wie gesagt schöner Trip, auch wenn Paris nicht meine Lieblingsstadt ist, ist es immer eine Reise wert. Mal sehen ob es zum Finale dann erneut nach Paris geht, heute Abend steht ja das Viertelfinale gegen Italien an.

Bilder

Am Bahnhof

Am Bahnhof

Bereits erwartetes Alkoholverbot

Bereits erwartetes Alkoholverbot

Aber nebenan noch Schnäppchenbier im Verkauf

Aber nebenan noch Schnäppchenbier im Verkauf

Schöne Sicht auf das Stadion vom Kanal

Schöne Sicht auf das Stadion vom Kanal

Abstecher nach St. Denis, Stade de France, Deutschland - Polen

Museé d'Art et d'Histoir

Museé d’Art et d’Histoir

Rathaus von St. Denis

Rathaus von St. Denis

Basilika von St. Denis

Basilika von St. Denis

Mittendrin statt nur dabei

Mittendrin statt nur dabei

Eher wenig schnäppchenhaft nach der ersten Sicherheitskontrolle. Hier darf übrigens auch noch Carlsberg stehen...

Eher wenig schnäppchenhaft nach der ersten Sicherheitskontrolle. Hier darf übrigens auch noch Carlsberg stehen…

Mehrsprachiges Willkommenheißen

Mehrsprachiges Willkommenheißen

Stadionpanorama I, Stade de France, Deutschland - Polen

Stadionpanorama II, Stade de France, Deutschland - Polen

Stadionpanorama III, Stade de France, Deutschland - Polen

Stadionpanorama V, Stade de France, Deutschland - Polen

Stadionpanorama IV, Stade de France, Deutschland - Polen

Mittendrin in der Deutschland-Choreo

Mittendrin in der Deutschland-Choreo

Vorspiel-Show

Vorspiel-Show

Schöne Sicht auf Sacré-Coeur

Schöne Sicht auf Sacré-Coeur

Mannschaften

Mannschaften

Polnische Fans

Polnische Fans

Polnische Pyro

Polnische Pyro

Spielszene

Spielszene

Freistoß Polen

Freistoß Polen

Endstand

Endstand

Blick zurück aufs nächtliche Stade de France

Blick zurück aufs nächtliche Stade de France