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Privates Blog von Roland Kübert

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4. Yorkshire Marathon 2016 oder Double Crown of Marathon

Nach dem New York Marathon also wie geplant dieses Jahr der Angriff auf die Double Crown of Marathon mit dem Yorkshire Marathon, also known as Old York Marathon. ;) Die initial perfekte Vorbereitung verlief ab der Hälfte durchwachsen, um kurz vor Schluss mit einer krankheitsbedingten zweiwöchigen Pause einen herben Dämpfer zu erhalten. Die große Unsicherheit bei Wiederaufnahme des Trainings zwei Wochen vor dem Marathon konnte ich dann immerhin mit einem Halbmarathon eine Woche vorher in Richtung „finishen geht eh“ drücken, der positive letzte Tempolauf brachte dann keine für die Langstrecke hilfreichen Erkenntnisse, aber immerhin nochmal ein gutes Gefühl.

Bereits am Donnerstag ging es via London auf nach York, größtes Problem war dabei die Fahrt zum Flughafen nach Frankfurt, nächstes Mal vielleicht doch mit dem Zug, es hat halt auch seinen Vorteil wenn um 04:00 nach Hahn fahren muss und nicht um 08:00 erst nach Frankfurt. Schlussendlich war aber genug Zeit und es blieb nur noch die Frage ob die Zeit zwischen Landung des Fliegers und Abfahrt des Zuges nach York in King’s Cross ausreichend groß geplant war. Das war dann trotz verspätetem Abflug und Warteschleife über London der Fall, immerhin hatten wir die Gelegenheit von Norden auf die Stadt zu schauen und zumindest London Stadium und Orbital Tower im Olympiapark sowie das Emirates zu erspähen. Die Koffer, dank Lufthansas neuer Economy Light zusätzlich zu bezahlen, ließen dann etwas auf sich warten, am Ende reichte es aber sogar noch zum Verpflegung kaufen beim Tesco um die Ecke von King’s Cross, so dass wir im Zug nach York erst mal unser Frühstück einnehmen konnten. In York hieß es dann erst mal die letzte halbwegs größere Runde drehen; die Chance nutzte ich, um im Städtchen ein Foto vor dem Minster zu machen, dann ging es ein Stück an der Ouse entlang und wieder in die unweit des Railway Museum gelegene Wohnung zurück, dann stand ein Spaziergang erneut in die Stadt an, zu Abend gegessen werden musste ja auswärts, weil nichts im Haus war. ;)

Etwas unsicher war ich mir, ob ich die Startnummer noch vor dem Lauf erhalten würde, Messe wie in Neu-York gab es keine, an überseeische Starter wird die Nummer auch gar nicht verschickt, nach Rückfrage via Twitter konnte ich aber meine lokale Adresse angeben und am Samstag früh war die Startnummer dann im Briefkasten, immer schöner diese vor dem Rennen schon in der Hand zu haben, man weiß ja nie wie es sonst läuft. ;) Am Freitag stand dann eine große Tour über die gesamte Stadtmauer auf dem Plan, gefolgt von einem erneuten Abendessen auswärts, Samstag früh dann ein letzer kleiner Lauf mit ein paar Steigerungsläufen sowie ein Ausflug nach Rochdale, Ground Nummer 90 der 92 englischen Profigrounds erledigen. Soweit alles gut, wir waren recht zeitig daheim, es gab die übliche Pastaparty und genug Zeit, den Rucksack zu packen, unsicher war ich mir mal wieder bei der Kleiderwahl, da es morgens doch schon ziemlich frisch war, im Gegensatz zu New York letztes Jahr drei Wochen später. Am Ende ging es erstmal mit wärmender Oberbekleidung zum Lauf, angepeilt war aber kurz/kurz zu laufen, zur Sicherheit waren aber noch langes Beinkleid und langärmliges Shirt im Rucksack.

Bus zum Yorkshire Marathon

Yorkshire Marathon Event Village, noch wenig los

Yorkshire Marathon Event-Village, leicht gefüllt

Nach einer deutlich ruhigeren Nacht als letztes Jahr, als die Zeitverschiebung für große Verwirrung gesorgt hatte, gab es gegen 06:00 ein kleines Frühstück und einen Kaffee, ehe es dann für mich zum Bahnhof ging, wo der Shuttlebus zur Universität fuhr; Mama K. hatte ich ja eine Fahrkarte für den Zuschauer-Shuttle besorgt, der sie dann vom Minster über die beiden Zuschauerpunkte wieder zum Ziel bringen sollte. Vor Ort angekommen entschied ich mich dann für prinzipiell kurz/kurz als Kleidung, auch wenn es recht frostig war, die gute Jogginghose, extra vom Second-Hand-Laden besorgt, gab ich dann mit dem Rucksack ab, den Zipper behielt ich erstmal bei. Dann das alte Leid, erst mal lange anstehen für die Toilette, dann kurz vor dem Start noch ein nachgeschobener zweiter Toilettengang und dann ab in den Startblock. Ich durfte im ersten Block starten, was hier aber nicht so wichtig war, so groß ist der Lauf ja nicht, immerhin war die Differenz zwischen Brutto- und Nettozeit so glaube ich nur bei 20 Sekunden. In New York hatte ich ja neben dem Garmin noch eine reguläre Uhr mit Stoppuhrfunktion dabei, man weiß ja nie, wie die Technik mitspielt. So fuhr ich auch heuer wieder, allerdings fiel mir dann erst kurz nach dem Start auf, dass ich die Uhr nicht gestartet hatte, so hatte ich ungefähr 90 Sekunden Differenz, aber gut, das kann man ja gerade noch so im Kopf rausrechnen im Notfall.

Der alten Grundregel folgend „bloß nicht Overpacen“ ließ ich es am Anfang mit gebremstem Schaum angehen, gerade die Kränkelei kurz vor dem Marathon machte mir ja auch eine Aussage über das, was zu erwarten war, nicht leicht. Der Anfang war natürlich sowieso kurzweilig, es ging erst mal in die Stadt, auch der einzige Teil wo sich eine eigene Trinkflasche, die ich am Gürtel hatte, gelohnt hat, die erste Wasserstelle war glaube ich bei Meile 3, da hätte mir aber auch eine Flasche in der Hand gereicht, die eigene habe ich während des Rennens dann nicht mehr gebraucht, wobei im Gürtel ja auch immer noch Platz für Reservegel ist. Den Zipper zog ich dann kurz vor dem Innenstadtbereich aus, es war ein bisschen sonning und recht angenehm, am Minster sah ich dann sogar Mama K., bei den vielen Leuten ein bisschen verwunderlich, die extra angeschaffte Aschaffenburg-Fahne hat aber bei der Erkennung geholfen. Den Zipper gab ich dann, Schwabenseele die ich bin, in die Obuht von Mama K., auch wenn der Reißverschluss sowieso kaputt war, aber egal. Es ging dann heiter weiter, recht schnell aus der Stadt raus, so groß ist York dann doch nicht, während man in New York mit dem Marathon fast die kürzeste Route läuft, um alle Boroughs berührt zu haben, zumindest bis man in der Bronx ist… In Stockton on Trent konnte ich mit dem Pfarrer (?) abklatschen, den ich schon im Promo-Video gesehen hatte, lustig, ansonsten war aber nicht so viel geboten. Im Prinzip bin ich einfach nach Gefühl mit einer Pace knapp über 5:00/km losgelaufen, Kilometer 12 passierte ich dann bei ungefähr 1:00:40, prinzipiell also noch die Möglichkeit auf eine Sub-3:30h, wer hätte das nach der durchwachsenen Vorbereitung gedacht.

Die Strecke war recht ländlich, außer man kam mal durch einen Weiler durch, irgendwann regenete es auch, aber ich kriege nicht mehr zusammen, wann das genau war. Es war nicht nur kurz, aber zum Glück auch nicht wirklich schlimm, im Prinzip war das Wetter sehr freundlich, ein recht langes, ansteigendes Stück mit freier Sicht in der „prallen“ Sonne dann im Kontrast zum Rest fast schon unangenehm warm. Die Halbmarathon-Durchgangszeit war mit fast exakt 1:46:00 super, deutlich besser als erwartet und eigentlich perfekt für den Negativ-Split mit schnellerer zweiter Hälfte. Kurz nach der Halbmarathon-Marke kam der erste Zuschauerbereich, man biegt links ab Richtung Stamford Bridge, läuft 600 Meter weiter, dreht im Ort um und läuft dann die 600 Meter bis zur Abzweigung und weiter. Gegenverkehr ist immer irgendwie blöd, weil man ja die schnelleren Läufer sieht, die Schleife war aber zum Glück kurz genug. Mama K. hatte ich leider nicht gesehen, in der Tat fuhr der Bus wohl erst zur zweiten Zuschauerstelle in Dunnington, so dass Mama K. im wesentlichen mit dem Bus beschäftigt war und dann lieber ins Ziel fuhr, sicherlich eine weise Entscheidung.

Die Spitze der zweiten Schleife erreicht man bei circa Kilometer 26, hier geht es aber immer geradeaus, dann zur Wendemarke und zurück kommend biegt man dann links ab. Diese Schleife fand ich sehr unangenehm, denn es geht nach Dunnington im wesentlichen fast 2,5 Kilometer leicht bergab und man weiß ja, dass man alles wieder zurück laufen musste. Langsam war es auch echt Zeit für einen Toilettengang, in den zweieinhalb Kilometern war da aber keine Möglichkeit gegeben. Der Bereich zwischen Kilometer 15 und 29, dem Wendepunkt in Dunnington, nach dem es erst mal leicht bergan geht, war mein schnellster, in dem Teil bin ich bis auf einen jeden Kilometer mehr oder weniger deutlich in unter 5:00/km gelaufen, vielleicht hätte ich es nach Dunnington runter noch etwas mehr forcieren sollen. Viele Zuschauer immerhin, wenn wie gesagt auch keine Mama K., kurz vor Kilometer 32 war dann die Abzweigung erreicht und ich konnte mich endlich mal – wirklich schnell – ins Gebüsch schlagen, mein langsamster Rennkilometer dann – weil ungestoppt – immerhin auch noch mit 5:37/km, die Toilettenpause war also echt kurz. :)

Ich habe mal einen Spruch derart gelesen „ein Marathon besteht aus zwei Teilen – den ersten 32 Kilometern und der zweiten Hälfte“ und in diesem Rennen galt das, wenn auch eher leicht, für mich. Zwischen Kilometer 32 und 33 lief ich nochmal eine Pace von 4:57/km und passierte die 33 km-Marke bei 2:45:00, im Endeffekt war hier die Sub-3:30h noch drin, aber zulegen konnte ich jetzt nicht mehr, im Gegenteil musste ich es etwas langsamer angehen lassen. Die rechte Wade schmerzte recht unangenehm, nicht so dass ich an aufhören dachte, aber leider zunehmend, außerdem setzte mir die arg landschaftliche Strecke langsam zu, etwas mehr Stadtanteil wäre schön gewesen. Die Strecke kam mir irgendwie auch immer größtenteils leicht ansteigend vor, aber das ist wohl eher der Ermüdung geschuldet, laut Uhr waren es nur 190 m Anstieg (und logischerweise auch Abstieg, da Start gleich Ziel), da war New York deutlich fordernder aber eben auch deutlich langsamer. Dass eine ziemlich gute und auf jeden Fall Bestzeit sowieso schon klar war, sollte nichts unvorhergesehenes passieren, half wahrscheinlich auch nicht, ich denke aber die Sub-3:30h war an dem Tag einfach nicht drin. Die Kilometerzeiten bewegten sich dann fast stetig leicht aufwärts, von Kilometer 35 an auf 5:04, 5:05, 5:06, 5:08, 5:10, 5:11, 5:10, 5:16 und 5:26 – der letzte volle Kilometer dank eines blöden Anstieges, hätte ich mir denken können, weil man vom Start aus erst nach unten gelaufen war, dass Ziel sich aber quasi hinter dem Start befindet. Hier haute es jedenfalls nochmal ordentlich rein, als der Hügel überwunden war konnte ich dann immerhin auf der Gefällstrecke nochmal Gas geben. Mama K. im Ziel, mit Aschaffenbug-Fahne leicht zu erkennen und wie abgesprochen auf der rechten Seite der Strecke und dann ging es mit irgendwas knapp über 3:32h über den Zielstrich – so ein seltsames Gefühl, dass die Beine einfach derart extrem weiterlaufen „wollen“ hatte ich auch noch nicht und so dermaßen platt war ich glaube ich auch noch nie im Leben – aber so schnell bin ich vorher auch noch nie Marathon gelaufen. :D

Im Ziel schnell die Goodie-Bag geholt, in die Wärmefolie gewickelt, die Medaille umhängen lassen und dann gleich mit Mama K. getroffen, dann war ich kurz versucht, zur Massage zu gehen, entschied mich aber lieber auf schnellstem Weg meinen Rucksack zu holen, ich musste unbedingt aus den Schuhen raus. Kaum waren die Flip-Flops an den Füßen war auch alles gut, bisschen was getrunken, bisschen Süßkram aus der Tüte reingestopft, für die kostenlose Medaillengravur angestellt, Schlange zu lang, wieder raus, dann aber doch die Medaille nicht abgeben und nach Hause schicken lassen wollen, also nochmal angestellt, derweil ein paar Süßigkeiten verputzt und einen Läufer beneidet und gelobt, der schon mit einer Dose Bier verpflegt war, dann war die Gravur auch fertig und es ging ab nach „Hause“, reibungslos mit dem Bus und dann per pedes zurück in die Bude. Bis auf die zwickende Wade war es okay, nach einem kleinen Snack ging es erst mal in die Wanne um dann ab in den Pub zu gehen, endlich mal ordentlich schlemmen und wieder mal ein Bier trinken.

Der Mühen Lohn: diese klingende Medaille :)

Der Mühen Lohn: diese klingende Medaille :)

Am ganzen Tag war das die einzige Panne, der Pub schloss am folgenden Tag wegen Renovierung und hatte deshalb nur reduziertes Angebot, meine Bestellung von „Gourmet Chili Dog and a Carling“ wurde mit „we don’t have any more Carling and no more Hot Dogs“ abgelehnt. Burger gab es aber noch, also einen „Gourmet Chicken Burger and a Carling“ bestellt, irgendwie hat das mit dem Denken nach dem Marathon nicht so geklappt. ;) Gut Carlsberg statt Carling wäre noch gegangen, aber leider gab es nicht die von Mama K. gewünschten Fish & Chips. Zut alors, dann halt nicht, also ab zum Supermarkt, Nudeln und Salat und etwas Bubbly zum Anstoßen gekauft, das Abendessen gab es dann also in der Wohnung. :)

Ich weiß nicht ob ich den Yorkshire Marathon jetzt wirklich als die beste Alternative zu London sehen würde, mir war die Strecke etwas zu ländlich, da war ich von New York halt auch arg verwöhnt und es kann ja auch nicht jedes Rennen so geschmeidig laufen wie in NYC. Es war trotzdem ein schönes Erlebnis und ich bin mit der Zeit sehr zufrieden, auch wenn es für die Sub-3:30h, auf die ich eigentlich trainiert habe, nicht gereicht hat, aber viel hat nicht gefehlt. Und vielleicht kann ich den nächsten Marathon, so es denn einen gibt, auch mal ohne vorheriges Zipperlein (Mainz, New York) oder Krankheit (York) angehen. Jetzt muss ich mir nur noch ein T-Shirt-Design für die Double Crown of Marathon überlegen. :)

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