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Privates Blog von Roland Kübert

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40. Chicago Marathon oder The Awesomeness That is Chicago

Von einem fantastischen Ausflug nach Chicago, nicht nur was das Laufen angeht, kam ich nicht nur mit einer Medaille vom 40. Chicago Marathon nach Hause, sondern hatte auch eine neue Bestzeit im Gepäck – 3:14:50 h! Hätte mir das jemand vor nicht allzu langer Zeit gesagt, hätte ich diejenige Person für verrückt erklärt, aber der Reihe nach.

Für die Grundlagenausdauer gab es dieses Jahr ja den Halbmarathon-Traininsgplan, der im Halbmarathon beim Würzburg-Marathon endete, danach gab es dann für den Chicago-Trainingsplan noch eine 11-wöchige Trainingsphase – 10 Wochen plus 1 Woche Puffer – auf 3:15:00 h . Dabei sprang beim Great North Run noch eine neue Halbmarathon-Bestzeit raus, ausnahmsweise war ich mal verletzungs- und krankheitsfrei geblieben, die Voraussetzungen waren also perfekt, im vierten Versuch beim Marathon endlich mal die im Plan trainiert Zeit zu laufen.

Donnerstags ging es geschwind noch einen frühen 10er laufen, dann ab nach Chicago. 11 Stunden Flug und 7 Stunden Zeitverschiebung später waren wir – Groupie #1 Mama K. und ich – dann auch vor Ort. Ging sich gerade so aus mit Donnerstag bis Sonntag und Akklimatisierung, für längere Flüge, größere Zeitverschiebung oder wenn es statt nach Westen nach Osten geht (Tokyo?), empfiehlt sich wohl eher eine noch frühere Anreise. So blieb uns der Freitag zur Abholung der Startunterlagen und einem Spaziergang Richtung City vom Convention Center aus, am Samstag war das Highlight ein Besuch der Aussichtsplattform auf dem John Hancock Center und ein bisschen Bummelei auf der Michigan Avenue, mehr war an Sightseeing vorher nicht geboten. Gelaufen wurde auch noch, eine kurze Runde am Samstag, auf der ich mich allerdings nicht sonderlich gut fühlte. Insgesamt fühlte ich mich, trotz Tapering, überhaupt alles andere als frisch, aber okay.

Welcome, runners! :)

Regenwetter am Tag vor dem Marathon – hatten wir ein Glück mit dem Wetter am Sonntag…

Dank meiner guten HM-Zeit durfte ich in den ersten Startblock mit Start um 07:30, empfohlene Taschenabgabe um 05:30, eeeek! Nee, so arg früh wollte ich dann nicht da sein, nach einer wechselhaften Nacht war natürlich trotzdem früh aufstehen angesagt. Schnell noch einen Kaffee daheim und dann ab zur L, auf dem Weg kam der Kaffee gleich wieder zurück, uh oh… In der L waren um die frühe Zeit eigentlich nur Läufer unterwegs, alle stiegen glaube ich bei Jackson aus und verteilten sich dann Richtung Eingänge. Ich plauschte noch mit einem Mitläufer, der am Nachmittag noch beruflich nach Europa flog, auch ein gutes Programm. :)

Auf dem Weg zum Gear Check – arg früh war es schon

Die Einlasskontrolle war dann schnell erledigt und ich machte mich auf meinen Kram abzugeben, kurzfristig entschied ich mich dann für die Klamotten-Kombi sehr kurz (aka ärmellos)/kurz, zum ersten Mal also beim Marathon nicht im Kickers-Trikot. ;( Danach noch das übliche Spielchen, ein paar Kohlehydrat-Gummibonbons abgegriffen, gefühlte 99x aufs Klo gegangen, in den Startblock, geschwind noch mal wild pinkeln und dann ging es los. Okay, nicht ganz, beeindruckend war schon die nächtliche Skyline, Hancock Center, Willis Tower, die Gegend um Prudential Plaza nördlich des Grant Parks sowie ein Hochhaus, dass mit „26.2“ erleuchtet war – die Marathon-Distanz in Meilen, nett.

Einfach schön – die frühmorgendliche Skyline vor dem Start

In meinem Startblock befand sich auch der 3:15h-Pace-Läufer, als der den umstehenden von Even Split erzählte war ich aber raus, weil ich eigentlich Negative Split laufen wollte, die zweite Hälfte schneller als die erste – was man vor dem Rennen nicht alles will. Vom Start aus geht es erst mal nach Norden und gleich unterirdisch, GPS also schon durch, dann über den Chicago River, links ab, über den Fluss nach Süden und recht ab wieder nach Norden. Nach circa 5 Kilometern hat man also drei Brücken passiert, wobei die zum Glück alle ebenderdig sind. Die Pace war laut Uhr bis dahin natürlich wechselhaft, zum Glück hatte ich mir ein Paceband mit 2 km-Abschnitten ausgedruckt, so dass ich mich ganz gut orientieren konnte. War alles etwas flotter als auf dem Band, fühlte sich aber gut an, also mal schauen. Mama K. erwartete ich bei Kilometer 7, Kreuzung LaSalle/Divison, und wir haben uns auch gesehen, ebenso auf dem Weg zurück nach Süden bei circa. Kilometer 18, schöne Sache, es macht doch einiges aus, ob man jemanden verlässlich an der Strecke erwarten kann. :) Dazwischen lag noch ein großer Schlenker nach Norden durch den Lincoln Park und darüber hinaus.

Irgendwo rechts bin ich auch zu „sehen“ :)

Immer die Zeit im Blick haben, gell

Nach Old Town, wo Mama K. gestanden war, ging es weiter nach Süden, über den Chicago River, weiter nach Süden und dann rechts ab, erneut über den Fluss. Hier war irgendwo auch die Halbmarathon-Marke und ich war zwar noch aufnahmefähig für Sprüche auf den Anzeigetafeln, konnte aber nichts für mich sehen – man bekam danach aber eine E-Mail mit allen Hinterlassenen Anfeuerungen, sehr schön und vielen Dank an alle Anfeuerer! :) Die Halbmarathonmarke passierte ich jedenfalls bei 1:37:17 h, immer noch vor der Paceband-Zeit, aber es lief bis dahin eigentlich easy. Klingt jetzt komisch, bei einer Pace von 4:37 min/km, aber mit den zwei Sichtungen von Mama K. und der beeindruckenden Kulisse ging es eigentlich wie im Flug vorbei und bis zum Halbmarathon ist es halt auch noch nicht schlimm.

Schon am Kämpfen, aber immer noch Zeit für ein Shaka

Es lief auch danach ziemlich gut und ich kann jetzt gar nicht mehr wirklich einordnen, ab wann es dann doch eher ein Kampf wurde, es war irgendwann nach der Halbmarathon-Marke, vielleicht Kilometer 24 bis 27. Man läuft da relativ lange nur nach Westen, unter anderem am United Center vorbei, und es gibt recht wenig Schatten und der Gegensatz zur Stadt vorher ist ziemlich groß. Der erste Fokus war dann erst mal die 20 Meilen-Marke / 32 Kilometer, dann halt weiter schauen. Okay, sind ja „nur noch“ 10 Kilometer, also beißen. Weitläufig am White Sox-Stadion vorbei, durch China Town, vielleicht auch in anderer Reihenfolge, die Aufnahmefähigkeit nahm irgendwann ab und ich war ziemlich aufs Laufen fokussiert. Nicht die schönste Gegend und nicht überall viele Menschen, aber solche Ecken hat wohl jeder Marathon und eigentlich ist es irgendwann auch egal. Meine Vorsprung, den ich vor dem Negative Split-Paceband hatte, hatte ich irgendwann verloren, es war also klar dass ich am Ende noch mal Gas geben musste. Schlau habe ich mir dann gedacht, „denke ich lieber an die Meilen“, weil lieber nur noch 4 Meilen als mehr als 6 Kilometer. ;)

Bei 37 Kilometer dann der Spruch, ich glaube es war ein Mitläufer, kein Zuschauer: „it’s just a 5k now“. Hat er natürlich recht und bei dem Tempo bin ich doch einige 5er gelaufen, also immer weiter… Irgendwann ging das große Rechnen los, was ich jetzt noch an Pace hinzaubern muss, um die 3:15 h zu erlaufen. Das klappte, wer hätte es gedacht, irgendwie nur noch bedingt gut, am Ende war klar, Gas muss sein. Ich hatte mir die Strecke nicht so genau angeschaut und erwartet, dass es früher in den Grant Park geht, am Ende sind es aber nur 300 Meter, die man im Park läuft. Gemein ist der Anstieg nach der Ecke South Michigan/W Roosevelt – und hier habe ich leider Mama K. nicht mehr gesehen. :( Klar, das ist jetzt kein Berg, aber mit 41,6 km in den Beinen ist auch ein relativ moderater Anstieg ein ziemlicher Killer und hier hat es wohl – laut Mama K. – einige Läufer zerlegt. Ich weiß nicht wie ich es gemacht habe, aber ich habe mich den letzten Kilometer echt noch mal laufen lassen, unter 4 Minuten, wenn die Uhr stimmt!

Only seconds to happiness

Durchs Ziel, vom Laufen ins gehen fallen, Medaille abholen, sich von den umstehenden bejubeln lassen, sich mit den anderen Einlaufenden freuen, Verpflegung holen, Eispack einsacken, endlich aufs Klo gehen – mein erster Marathon ohne Pinkelpause! Klamotten holen und erst mal umziehen, die Skyline am Buckhigham Fountain genießen und einfach glücklich sein. Die handgestoppte Zeit war unter 3:15 h und die Nachrichten von daheim, nachdem ich das Handy ausgepackt hatte, bestätigten das, yay! Kaiserwetter, das am Ende beim Laufen trotz des frühen Starts ziemlich zugesetzt hatte, aber jetzt natürlich sehr willkommen war. Strahlend blauer Himmel und dann diese Skyline, ein Traum! :)

Da ist das Ding!

Finisher!

Chicago von seiner schönsten Seite

Nach ausgedehnter Pause am Buckingham Fountain schlenderte ich noch über die Messe, holte mir mein Bier vom Stand der Goose Island Brewery und tappte dann gemütlich und mit einem Dauergrinsen im Gesicht zum Nike Store auf der Michigan Avenue, da dort die Medaillen kostenlos graviert wurden. Danach ging es mit Bus dem Bus Richtung Clark/Division, die alte Hood von Florian, den ich hier über Silvester 2003 – ja, echt 14 Jahre her, besucht habe. Dort ein bisschen geshoppt, dann nach Hause, gefeiert, ab in die Wanne und abends noch mal gemütlich zum Taco Bell. :)

Ich traue es mich ja kaum zu sagen, aber am nächsten Morgen war ich gleich schon wieder eine kleine Runde laufen, gemütlich natürlich und mit schweren Beinen, aber eigentlich schmerzfrei… wer hätte gedacht dass so etwas geht, nach einem Marathon in der Zeit. Perfektes Rennen, tolle Stadt – für mich ein Trip der mir nicht nur wegen des Marathons noch besser gefallen hat als der Ausflug nach New York City 2015. Unbedingt besuchen gilt für die Stadt, für diejenigen, die Marathon laufen wollen gilt auch unbedingt laufen für den Chicago Marathon – für mich auf jeden Fall ein Highlight, bei dem ich auch aktuell beim zurückblicken immer noch eigentlich nur ungläubig und mit einem leichten Grinsen den Kopf schütteln kann. Und so umfangreich dieser Beitrag auch ausgefallen ist, so wenig kann er die wunderbaren Emotionen von der ganzen Reise und speziell vom Marathon widerspiegeln. :)

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