Schon reichlich lange war der Plan gereift, die Vor-Trainingsplan-Phase zu nutzen und einen Abstecher irgendwohin zu machen, wo auch im Sommer Fußball gespielt wird. Prinzipiell hatte ich mit Finnland geliebäugelt, das fiel dann aber aus preislichen Gründen aus, stattdessen ging es nach Lettland: 3 Tage Riga mit 3 Fußballspielen, davon 1 in der Stadt und 2 auf dem Land, dazu ein bisschen Sightseeing, das schien eine Runde Sache zu sein und hielt sich preislich im Rahmen.

Meinem Glück der näheren Vergangenheit folgend ging natürlich mit dem Flug nicht nur nicht alles glatt sondern alles schief, am Abend vor dem frühen Abflug um 07:30 von Frankfurt nach Riga via Warschau bekam ich eine E-Mail, dass der Flug Warschau-Riga storniert wäre und ich doch bitte die Hotline anrufen sollte. Gesagt getan, nach insgesamt circa 4 Stunden Hotline, in denen ich mit der Lot telefonierte, dann mit der Lufthansa, noch mal mit der Lufthanse und noch mal mit der Lot hatte ich immerhin einen Flug für den gleichen Tag und direkt ab Frankfurt, dafür erst mit Ankunft um circa. 23:00. Wäre ich bei Lot nicht beim ersten Mal aus der Leitung geflogen, als die Dame gerade am Umbuchen war, dann wäre es vielleicht mit zwei Stunden getan gewesen, so war es ganz schön chaotisch und langwierig, aber immerhin war dann abends noch klar das alles passt und der Rückflug unabhängig bestehen bleibt. Pluspunkt: ich hatte den ganzen Freitag noch in AB und konnte noch Sport machen, dafür war ich dann mit zusätzlicher Verspätung erst gegen 01:00 in Riga und immerhin um 02:00 in der Falle, das für Freitag geplante Spiel hatte natürlich sowieso ohne mich stattgefunden, wobei es wohl kein herber Verlust war, denn mit den zwei Spielen die am Samstag und am Sonntag noch folgten war ich eigentlich gut versorgt.

Nicht ganz taufrisch ging es am Samstag morgen erst mal fürs Frühstück einkaufen, ehe ich mich dann zeitig auf den Weg zum Sightseeing machte. Sehr nettes Städtchen mit kurzen Wegen, vieles konnte ich schon in dem einen Vormittag sehen. Zeitig ging es dann mit dem Bus nach Valmiera, deutsch Wolmar, ungefähr 100 Kilometer nordöstlich von Riga. Vor der Abfahrt hatte ich noch herausgefunden, dass das Spiel nicht dort stattfand wo ich dachte, durchaus hilfreich. ;) Vor Ort war dann gerade noch genug Zeit um eine kleine Runde durch die ebenfalls kleine historische Altstadt zu drehen, dann ging es auf den circa 3 km langen Fußweg zum Olympiakomplex. Der heißt wohl hauptsächlich wegen der Halle so, in sich eine Eisfläche befindet, das Fußballstadion ist eher wenig olympisch, hat es doch keine Laufbahn und nur eine Tribüne.

Vor Ort war das alles ganz abenteuerlich, es gab keinen Schalter für Eintrittskarten und eigentlich außer ein paar Polizisten überhaupt niemanden der irgendwie offiziell aussah, also schaute ich erst mal auf die Tribüne – in der Tat kostenfrei der Kick. Gut, wobei, manchmal wird ja auch erst nach dem Anpfiff abkassiert, das sah hier aber nicht so aus. Auf der Suche nach den Toiletten begab ich mich dann in die Eishalle, unterhalb der Tribüne war anscheinend noch Baustelle. Dort fand ich immerhin ein Klo und einen Getränkeautomaten und mir fielen zwei Engländer auf. Den einen sprach ich dann auch prompt an: James aus London ist Ipswich-Fan und fand nach einer Konferenz unter der Woche noch Zeit für zwei Spiele in Lettland, nett. Bei allerlei Plaudereien über Fußball verging dann die Zeit wie im Flug, auch wenn das Spiel ansonsten nicht durch Höhepunkte glänzte, wohl einer der schlechtesten Erstligakicks den ich je gesehen habe. Die Liga besteht übrigens nur aus 8 Vereinen, Valmiera als Aufsteiger mit der Bilanz 0-2-10 (9:34 Tore) nach 12 Spieltagen Tabellenletzter, das Spiel ging dann erwartungsgemäßg auch an die Gäste aus Riga, die sich im Teil der Tabelle befinden, der um Meisterschaft/CL-Quali beziehungsweise Europa-League-Plätze spielt. Noch ist aber nicht alles verloren, auch nach dem Spieltag stand Valmiera nur 2 Punkte hinter dem vorletzten Platz, der zur Relegation berechtigt. ;)

Wie gesagt überschaubares Spiel, aber Länderpunkt eingeheimst, dann noch zwei Tore, kostenlos und mit netter Unterhaltung, es hätte viel schlimmer sein können. Einzig das Wetter war etwas wechselhaft, aber zum Glück blieb es größtenteils trocken, vor allem für den nicht ganz kurzen Hin- und Rückweg. Gemeinsam mit meinem englischen Hopper-Kollegen machte ich mich dann nach dem Abpfiff auf den Weg in die Stadt, wobei er sogar im kleinen Städtchen nächtigte, für mich stand eine späte Busfahrt zurück nach Riga auf dem Programm.

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