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Privates Blog von Roland Kübert

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31. Hüttenfelder Kerwelauf oder wenn die Generalprobe mal so richtig daneben geht

Damit, dass es am geplanten HM-Rennwochenende keinen Lauf gibt, der wirklich als Generalprobe für Berlin taugt – flaches Straßenrennen früh am Morgen – hatte ich mich schon abgefunden, dass es am Ende so ein Desaster werden würde hatte ich aber dann doch nicht gedacht. Kurz hatte ich ja mit dem Isle of Wight-Halbmarathon geliebäugelt und das wäre, vom späten Start abgesehen, sicherlich nett gewesen, war aber preislich und logistisch ein Unding. Schlussendlich standen noch unterschiedliche Rennen zur Auswahl (Nürnberg, Bruchköbel, Beerfelden, um nur ein paar zu nennen) , am Ende fiel die Auswahl aber auf den Hüttenfelder Kerwelauf: flach und im Wald, wenn auch leider erst am Nachmittag, dafür aber mit erträglicher Anfahrt bis nach Lampertheim.

Der Gegensatz zum Halbmarathon im Chicago-Plan vom letzten Jahr hätte kaum größer sein können, denn letztes Jahr war es der größte Halbmarathon der Welt, dieses Jahr waren es mit mir zusammen 37 Vormelder. Das sprach schon mal für ein einsames Rennen, denn die Wahrscheinlichkeit da jemanden mit ähnlicher Zielvorstellung zu treffen geht ja eher gegen null. A propos Zielvorstellungen, was soll man sich bei so einem Rennen mit Start um 15:00, Mitte August, eigentlich vornehmen? Am besten nichts, dass es keine Bestzeit wird war ja eh klar, aber schauen wir halt mal. Das Einlaufen zeigte auch schon weitere Schwierigkeiten, auf der zweiründigen Strecke ging es so ca. 1,5 km nach Start und nach der 1. Runde prall durch die Sonne übers freie Feld, da pfiff dann auch noch der Wind ganz gut…

Ich bin ehrlich, ich habe die Temperatur völlig unterschätzt, selbst als wir am Start standen. Also losgeflitzt, sich dann, was mir selten passiert, etwas mit ziehen lassen und den ersten Kilometer in 4:18 min beendet. Nee klar, dass war zu schnell, merkte ich auch am Puls, also etwas Tempo raus – Puls bleibt hoch und das blieb er auch bis zum Ende. Relativ schnell schwante mir, dass das heute kein Spaß werden würde, die Durchgangszeit nach der Hälfte war mit um die 47:30 Minuten noch recht flott und damit eigentlich im Marathon-Renntempo für Berlin (wobei die Renntempi ja immer deutlich schneller angesetzt sind). Bis zur zweiten Wasserstelle auf Runde 2 hatte ich immerhin noch einen Läufer, dem ich Stück für Stück näher kam, bei der Wasserstelle fiel er dann aber erst mal ins gehen und schon war ich vorbei und ab da komplett alleine, bis ich am Ende die ganz langsamen Läufer vom später gestarteten 10 km-Rennen einholte. Es ging dann nur noch darum, halbwegs achtbar ins Ziel zu kommen, also Kilometer für Kilometer geschaut dass der Spagat zwischen Puls nicht völlig aus dem Ruder und Tempoverlust irgendwie gelingt. Die Kilometerzeiten pendelten sich so auf 4:50 min ein, bis aufs Ende, wo ich immerhin nochmal einen Endspurt hinlegte.

Selten war mir eine Zielzeit so egal, die Sinnhaftigkeit des Rennens war ja eh nicht mehr wirklich gegeben, nach 1:37:34 min war dann die Quälerei vorbei. Das einzig was ich mich im Nachhinein Frage: wäre mit etwas mehr Zurückhaltung am Anfang mehr drin gewesen? Oder hätte ich mich dann dauerhaft auf dem langsameren Tempo eingerichtet oder trotzdem genauso abgebaut? Man wird es nie erfahren. Mund abputzen, in Zukunft vielleicht mal etwas mehr auch im warmen Laufen und dann mal sehen ob sich so etwas vermeiden lässt. Dass das Ganze jammern auf sehr hohem Niveau ist, ist mir auch schon klar, ich erinnere mich dass ich mal überglücklich über meine erste Sub-1:40h im Halbmarathon war. Verarbeitet war der Lauf jedenfalls schnell, abends noch Rad gefahren und am nächsten Tag standen gleich schon wieder 70 Minuten laufen auf dem Programm. ;)

Was den Lauf an sich angeht: von der Hitze abgesehen eigentlich ganz schön, wenn auch sehr einsam auf Grund es kleinen Teilnehmerfeldes. Die Munitionsbunker sind ab und an mal ein Hingucker, reißen es aber auch nicht raus. Dazu noch recht wechselhafter Untergrund – muss man mögen. Ich denke der 10er ist hier lohnenswerter als der Halbmarathon, zwei identische Runden sind ja eh immer so eine Sache. Vorbildliche Verpflegung aber, viele Wasserstellen und auch im Ziel gab es ausreichend zu trinken.

P.S.: Für die Statistik – 10. von 51 Finishern, 9. von 40 Männern, 2. von 4 in der M35. Ich sag doch, jammern auf hohem Niveau… :)

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  1. Jörg A.

    Selbst Wochen danach habe ich immer noch ein wirklich schlechtes Gewissen, die Entscheidung für dieses HM-Testrennen mit beeinflusst zu haben. Es war halt für mich zeitlich das einzig sinnvoll machbare Rennen weit und breit.
    Und hinterher war ich dann noch ein mittelmäßiger Wundenbalsamierer. Sorry nochmal auch dafür.
    Aber Bruchköbel wäre zeitlich und strechentechnisch noch ein deutlich größeres Übel geworden, da sind wir uns beide sicher;-)
    Wegen der Bunker fahren wir zum Cachen auf jeden Fall da noch einmal hin, ok?!

  2. Roland Kübert

    Hallo Jörg, das ehrt dich, muss aber nicht sein – es war ja meine freie Entscheidung. Schlecht betreut gefühlt habe ich mich danach nicht wirklich. ;)

    Ansonsten: das Rennen war wohl Pareto-optimal, was die Kombination aus Rahmenbedingungen und Entfernung angeht. Bruchköbel wäre auf jeden Fall deutlich übler gewesen. Alles andere war ja was die einfache Fahrt angeht schon über 2 h entfernt, im Endeffekt also auch keine sinnvolle Alternative.

    Für Cachen bin ich ja sowieso fast immer zu haben… ;)

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