Jedes Jahr kommt er wieder, der gute Vorsatz, zumindest mehr zu lesen, wenn es schon nicht ein Buch pro Woche wird. Nimmt man dann schwere Kost als Altlast noch mit aus dem alten Jahr, dann gehen schon mal sechs Wochen ins Jahr, bis man den ersten Vollzug melden kann. In diesem Fall war der Urheber der schweren Kost ein alter Bekannter, Thomas Pynchon mit seinem letzten Werk Bleeding Edge.

Es soll ja Menschen geben, die das Buch als „historische Romanze“ bezeichnen, das scheint mir aber eine Außenseitermeinung zu sein. ;) Romantisch ist an dem Buch, dessen Handlung im März 2001 beginnt und nicht lange nach den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon endet, wenig. Zugänglicher als einige andere Pynchone-Werke – Die Enden der Parabel, Mason & Dixon oder Against the Day – ist Bleeding Edge schon, wobei ich von diesen auch nur Against the Day ebenfalls auf Englisch gelesen habe.

Die Zugänglichkeit, zumindest für jemanden der einen gewissen Technik-Hintergrund hat, liegt vor allem darin, dass das Internet und die dort eingesetzten Techniken einen großen Raum einnehmen. So ist „DeepArcher“ eine Software, die man wohl als Second Life-Vorläufer bezeichnen kann, ansonsten gibt es auch immer mal wieder Erwähnungen und Witze bezüglich HTML und CSS und im Rückblick ist das ganz ziemlich amüsant. Humorig, nicht immer ganz kurzweilig, aber sehr abwechslungsreich, hat gepasst.

“‘Interesting.’ Ah.” The annoying staccato Heidi ah. “And Hitler was a good dancer, a wonderful sense of humor, I can’t fuckin believe this, we watch the same movies on the Lifetime channel, these are always the ones who turn out to be the sociopathic rat, shtupping the receptionist, embezzling the children’s lunch money, slowly poisoning the innocent bride with the bug spray in the breakfast food.”
“That’s like . . .” innocently, “a cereal killer?”
(Thomas Pynchon – Bleeding Edge, Kapitel 21)