Nach vier Herbstmarathons ging es nach Mainz 2011 zum zweiten Mal im Frühjahr ran. Gar nicht so schlecht, so ein Trainingsplan der noch im Winter beginnt, ging dann alles besser als erwartet und es war auch mal schön, nicht zwingend um 05:00 Uhr aufstehen zu müssen, weil es ansonsten schon zu heiß war. Der gute Vorsatz, Berlin abzuhaken, mit mehr Spaß zu laufen und wenn möglich die 3:10 h nochmal anzugehen ging auf, der Trainingsplan lief wie geschnitten Brot, Bestzeiten über die 10 km und den Halbmarathon eingeschlossen.

Zwei Dinge liefen im Training allerdings nicht positiv, auch wenn eins davon dann keine Rolle spielen sollte: erstens hatte ich ja nach dem Berliner Halbmarathon Schmerzen im linken Fuß, zweitens war unklar ob nicht gerade Richtung Marathon-Wochenende das Wetter warm werden würde, das ist natürlich nach Wintertraining eher schwierig. Zweiteres erwies sich dann als unbegründete Sorge – sicherlich war es kein Fehler, einige Läufe dann auch explizit im Warmen zu machen (hört, hört, Lektion aus Berlin 2018 gelernt), es war dann aber am Renntag weder warm noch sonnig. ;) Den schmerzenden Fuß bekam ich dann mit aufs nötigste reduziertem Training, kühlen und cremen soweit in den Griff, dass dem Start erst mal nichts im Weg stand.

Wie in Berlin auch war die ganze Entourage wieder dabei und feuerte mich erneut vorbildlichst an, im Gegensatz zu Berlin vermute ich dass sie die einzigen waren, die an dermaßen vielen Orten auf der Strecke auftauchten – tausend Dank auch hier nochmal dafür! Vor allem war es für die Zuschauer auf Grund des läuferfreundlichen Wetters am Renntag, kühl und regnerisch, sicherlich nicht so angenehm, beim Laufen ging das.

Im Prinzip ist das ja mittlerweile doch fast schon Routine, auch wenn es bei Großveranstaltungen vor dem Start natürlich doch immer etwas aufregend ist. Ging soweit aber alles ganz gut und bei nieseligem Wetter, dem ich am Start mit einem Poncho von den Niagara-Fällen, erworben dort wohl so 1998 oder 1999, trotzte. Um die Ecke vom Start nochmal ins Gebüsch gewitscht und dann rein in den Block und los ging’s.

Wie immer war der erste Kilometer natürlich über der gewünschten Pace, dafür sah ich dann gleich beim Start die Groupies, das nächste Mal war dann an den Landungsbrücken geplant – klappte vorbildlich und dort entschied ich mich dann, meine Regenjacke los zu werden. Bis dahin lief es prinzipiell gut, natürlich war alles schnell klatschnass, der Radler der am Anfang gut gelaunt nebenher fuhr und dann reinrief „typisches Hamburger Schietwetter, nä“ stellte damit klar dass hier wohl nichts außergewöhnliches wäre, für mich gab es so ein Wetter zumindest beim Marathon in der Form noch nicht. ;) Größte Sorge bis zum Halbmarathon war der Fuß, der sich jetzt nicht super super darstellte, aber auch nicht richtig schlimm war, daneben ging der Blick ansonsten auf Puls und Pace, beides im sehr grünen Bereich. Ich weiß gar nicht mehr genau wo ich meine Anfeurer noch zu sehen waren, auf jeden Fall an der Binnenalster, an der Wendestelle, dann war erst mal ein bisschen weniger los, als es aus der City raus ging.

Die Halbmarathonmarke passierte ich in 01:33:10 h, die Stimmung war gut, leider konnte ich das gute Tempo hinten raus aber nicht halten. Mir ist nicht ganz klar, woran es lag, gefühlt habe ich nicht overpaced, auch nach Puls nicht. Vielleicht war es das Wetter, das einem auf Dauer mit Wind und Regen schon zugesetzt hat, ein bisschen dann auch doch der Fuß, schlussendlich ist halt wie es ist beim Marathon: hinten raus wird es einfach zäh. Den viel gerühmten Eppendorfer Baum habe ich dann nicht so wirklich als Stimmungshighlight wahr genommen, da waren aber halt auch schon 37 km gelaufen und die Fähigkeit, Dinge abseits der Strecke wahr zu nehmen, ist irgendwann auch nicht mehr wirklich da. Am Ende musste ich gefühlt dann doch ganz schön kämpfen und kam mit 3:09:10 h ins Ziel, relativ klar unter der angepeilten 3:10 h.

Happy happy joy joy, Medaille abholen, Zeug holen, umziehen, feststellen dass es doch Duschen gegeben hätte, die ich aber im Plan nicht gesehen hatte und weswegen ich auch keine Duschsachen dabei hatte, also nichts wie raus und gleich ein bisschen feiern lassen. Danach ging es zurück in die Unterkunft um mit dem versammelten Rest der Reisegruppe auf den Erfolg anzustoßen.

Schönes Rennen, kann man mal gelaufen sein, diesen Hamburg-Marathon. Das Wetter war auch mal eine Erfahrung, seit meinem Küstenlauf in Ostende bin ich ja relativ entspannt was Widrigkeiten durch das Wetter angeht, irgendwann war es aber halt doch ein bisschen kühl und die Schuhe arg quatschig nass. Die Streckenführung bis zum Halbmarathon ist super, danach wird es leider etwas zäh, insgesamt aber schon in Ordnung. Von der Organisation her gibt es auch nichts zu meckern, alles prima, danke auch an die vielen Helfer, die so ein Ereignis erst möglich machen.